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Ich mache mir Sorgen um den Niederrhein

In den letzten Tagen geht mir ein Gedanke einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Wir bei Ulli kocht arbeiten seit vielen Jahren mit Erzeugern und Verarbeitern vom Niederrhein zusammen. Viele davon kennen wir nicht nur als Lieferanten, sondern als Menschen, die mit Herzblut, Idealismus und unendlich viel Arbeit hochwertige Bio-Lebensmittel herstellen.

Gerade beim Obst und Gemüse aus unserer Region setzen wir uns seit Jahren mit Überzeugung für kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Betrieben am Niederrhein ein. Wann immer es die Saison zulässt, kaufen wir regional ein und möchten damit bewusst die Menschen unterstützen, die unsere Lebensmittel anbauen.

Umso mehr beschäftigt mich die Entwicklung der letzten Monate.

Die Bäckerei Schomaker schließt ihre Türen. Weitere größere Bio-Verarbeitungsbetriebe am Niederrhein stehen vor einer unsicheren finanziellen Zukunft und wissen noch nicht, ob und wie es weitergeht.

Das sind keine anonymen Unternehmen. Dahinter stehen Familien, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Landwirte, die seit Jahrzehnten hochwertige Bio-Lebensmittel erzeugen und verarbeiten.

Was viele gar nicht sehen: Wenn ein Verarbeiter verschwindet, trifft das nicht nur diesen Betrieb.

Es trifft vor allem die Bauern, die ihre Milch, ihr Getreide oder ihr Obst und Gemüse dort abliefern. Verlässliche Absatzwege brechen weg, neue Vermarktungsmöglichkeiten müssen erst aufgebaut werden und häufig sind längere Transportwege oder schlechtere Erlöse die Folge.

Und es kommt noch etwas hinzu, das selten offen ausgesprochen wird: Unsere regionalen Bio-Produkte stehen in einem Wettbewerb, der kaum fair genannt werden kann. Auf der einen Seite stehen Betriebe hier am Niederrhein mit hohen ökologischen, sozialen und handwerklichen Standards. Auf der anderen Seite stehen Importe aus Europa, bei denen niedrigere Produktionskosten, geringere Lohnniveaus und andere Mindestlohnstrukturen zu Preisen führen, mit denen regionale Betriebe selbst bei bester Qualität kaum mithalten können.

Das Ergebnis ist ein Preisdruck, der nicht die Qualität belohnt, sondern in erster Linie die billigste Produktionsweise – unabhängig davon, wie regional, transparent oder nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist.

Gerade deshalb geraten unsere regionalen Obst- und Gemüsebetriebe zunehmend unter Druck. Sie brauchen nicht nur engagierte Verbraucher, sondern auch funktionierende lokale Verarbeitungsstrukturen – Mühlen, Bäckereien, Molkereien und Schlachtbetriebe, die ihre Produkte zuverlässig abnehmen. Erst dieses Zusammenspiel macht eine lebendige regionale Bio-Landwirtschaft möglich.

Regionalität bedeutet eben weit mehr als ein kurzer Transportweg. Es ist ein Netzwerk aus Menschen, die sich gegenseitig brauchen und unterstützen.

Deshalb wünsche ich mir, dass wir alle beim Einkauf wieder etwas genauer hinschauen. Hinter jedem Brot, jedem Stück Käse, jedem Sack Mehl und jedem Bund Möhren stehen Menschen, die mit ihrer Arbeit unsere Region lebendig halten. Wer regionale Bio-Produkte kauft, investiert nicht nur in gute Lebensmittel, sondern auch in die Zukunft unserer Landwirtschaft.

Auch wir bei Ulli kocht werden diesen Weg konsequent weitergehen. Wir werden weiterhin Obst und Gemüse vom Niederrhein bevorzugen, wann immer es möglich ist, und mit den Betrieben zusammenarbeiten, die unsere Region seit vielen Jahren prägen.

Ich hoffe sehr, dass wir diese Strukturen gemeinsam erhalten können.

Denn wenn sie verschwinden, verlieren wir weit mehr als einige Lieferanten. Wir verlieren Wissen, Handwerk, regionale Identität – und ein Stück Heimat.

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